Maximilian Hemmerle hat die Familientradition eines seit 1837 gegründeten Juwelier-Hauses in die digitale Gegenwart überführt — ohne dabei die Handwerklichkeit und Persönlichkeit zu verlieren, die den Namen Hemmerle prägen. Im Interview spricht er über seinen Weg, seine Philosophie und darüber, was "very personal fine jewelry" bedeutet, wenn darin 187 Jahre Geschichte stecken.
Vom Erbe zur Eigenständigkeit
Das ist eine sehr direkte Frage, und ich schätze das. Ehrlich gesagt: Die Last war größer als die Romantik am Anfang. Mein Großvater und mein Urgroßvater hatten ein klares Geschäft — lokale Juweliere, die mit reichen Münchner Kunden zusammenarbeiteten. Mein Vater hat das erweitert, aber immer noch bodenständig. Als ich anfing, stellte ich mir die Frage: Führe ich das nur fort, oder mache ich etwas Neues daraus?
Die Entscheidung war, es zu transformieren. Die Werte — Handwerk, Persönlichkeit, Qualität — beizubehalten, aber die Form grundlegend zu ändern. MXHM ist nicht ein Rebrand, es ist eine Neuinterpretation.
MXHM ist mein Name, Maximilian Hemmerle. Aber es ist nicht einfach ein Egotrip. Der Name steht dafür, dass jedes Stück, das unser Atelier verlässt, Verantwortung trägt — die Verantwortung meines Namens. Es gibt da draußen viele "Juwelier München" oder allgemeine Schmucklabels. MXHM sagt: Das hier ist durchdacht. Das hier ist persönlich. Das hier trägt einen Namen, und dieser Name versteht sich als Garantie.
Gleichzeitig ist es bewusst minimalistisch. Nicht "Hemmerle Fine Jewelry" oder "Atelier Hemmerle München" — das wäre zu offiziell, zu sehr Erbe. MXHM ist modern, es ist digital, es ist persönlich. Es funktioniert genauso auf Instagram wie auf einem Etikett in einem Ring.
Very Personal — was das wirklich bedeutet
Es ist ein bewusst großes Versprechen, weil es das ist, was ich nicht verhandeln kann. Es gibt heute tausende Juweliere, die dich online treffen. Aber "personal" wird oft unterschätzt. Es bedeutet nicht "ich hole dich zum Kaffee ab". Es bedeutet: Ich gehe wirklich auf deine Geschichte ein. Auf das, was du suchst, nicht auf das, was ich verkaufen will.
Ein Beispiel
Eine Kundin kam zu mir mit einem alten Smaragd ihrer Großmutter. Der Stein war nicht groß, nicht besonders grün, aber er hatte Geschichte. Jeder andere Juwelier hätte gesagt: "Das ist nicht wertvoll genug, lass mich dir einen neuen Stein besorgen." Ich habe gesagt: Was macht dieser Stein für dich wertvoll? Und dann haben wir ein Stück gebaut, das nicht den Stein versteckt, sondern seine Geschichte erzählt.
Das ist "very personal". Das passiert, wenn jemand Zeit für dich macht. Wirklich Zeit. Nicht fünf Minuten im Showroom, sondern Stunden im Atelier. Das ist Luxus heute.
100 Prozent bewusst. Es gibt einen Grund, warum ich keinen großen Shop habe und warum jedes Gespräch mit mir ein Termin ist. Weil Juwelerei nicht wie Mode ist, die du rausch-shoppen kannst. Ein Ring, den du trägst, wird Teil deiner Identität. Das sollte nicht spur-los passieren.
Instagram ist für mich nicht Verkaufskanal, es ist Fenster. Es zeigt, wer ich bin, was ich mache, wie ich denke über Steine und Handwerk. Wer das sieht und fasziniert ist, kommt dann zu mir ins Atelier. Und dort passiert das echte Gespräch.
Handwerk im digitalen Zeitalter
Das ist gar kein Widerspruch. Digital ist ein Werkzeug, nicht eine Philosophie. Ich nutze digitale Werkzeuge, um Menschen zu erreichen, die meine Philosophie teilen. Aber im Atelier mache ich Dinge noch immer so, wie mein Urgroßvater es getan hat — mit der Hand, mit Erfahrung, mit Verständnis für Material.
Ein CAD-Design kann ich in zehn Minuten entwerfen. Aber einen Ring zu machen, der wirklich sitzt, wirklich funktioniert, das dauert Tage. Und das ist nicht langsam — das ist Qualität.
Knappe Antwort: Ich trenne sie nicht, weil es nicht zu trennen gibt. Ich bin kein Persona, die ich "spielen" kann. Ich bin wirklich jemand, der sich für Steine obsessiv interessiert. Ich bin wirklich bereit, 40 Stunden an einem Ring zu arbeiten. Ich bin wirklich überzeugt, dass Qualität die einzige Art ist, Kundschaft zu bauen, die bleibt.
Wenn das wie "Branding" wirkt — schön. Aber es ist nicht inszeniert. Es ist das Gegenteil von Inszenierung. Es ist Authentizität, die nur wirkt, weil sie wahr ist.
Die Zukunft des Handwerks
Ich sehe zwei Trends. Der eine ist, dass Massenproduktion alles andere erdrückt. Billige Juwelen von OnlineMarketplaces, Lab-Diamanten in Massenproduktion, 3D-gedruckte "Schmuckstücke" — das verdirbt den Markt für echte Handwerker.
Aber parallel sehe ich einen Gegen-Trend. Menschen werden müde von Maßlosigkeit und Überangebot. Sie wollen weniger, dafür echte Dinge. Das ist meine Chance. Nicht als riesiges Geschäft, aber als Alternative.
Die Juwelierkunst hat eine Zukunft — aber nur als Premium-Handwerk, nicht als Massenhandwerk. Wer bereit ist, zehn Jahre zu lernen und sein Leben dem zu widmen, der wird verdienen. Aber nicht mit billigen Ringen.
Nicht größer, sondern besser. Nicht mehr Kunden, sondern die richtigen Kunden. Ein Atelier, das noch immer aus meinen Händen arbeitet, in Zusammenarbeit mit vielleicht einem oder zwei Lehrlingen. Vielleicht ein zweiter Raum irgendwo, aber nicht als Shop — als Atelier.
Und hoffentlich: Ein Label, das auf der ganzen Welt bekannt ist, weil es für eines steht — echte Qualität, echte Persönlichkeit, echtes Handwerk. Nicht als Trend, sondern als Gegenbewegung zum Trend.
Zum Schluss: Ein persönlicher Satz
Ich sage: Weil ein Ring nicht etwas ist, das du kaufst. Ein Ring ist etwas, das du mit jemandem machst, der dir zuhört. Und wenn du das verstanden hast, dann verstehst du auch, warum du hier bist.
Wenn Sie neugierig auf MXHM und die Philosophie dahinter sind — vereinbaren Sie einen Termin.
Das Atelier in München öffnet sich auf Einladung.